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Pressemitteilung

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Der Mensch ist nicht ausgeschlossen

Interview mit dem Leiter der Biosphärenreservatsverwaltung Klaus Jarmatz
Fragen: Michael Schmidt SVZ Gadebusch


Seit Wochen schwelt ein Streit zwischen der Gemeinde Dechow und dem Biosphärenreservat zum Wanderweg-Konzept am Röggeliner See. Wie wahrscheinlich ist eine Lösung, ist ein Kompromiss?

Die Dechower wollen den nachhaltigen Tourismus ausbauen, das begrüße ich.
Im Rahmen der Agenda 21 haben wir eng mit der Gemeinde zusammengearbeitet. Es ist ein erster Rundweg entstanden und wir haben einen Aussichtsturm am Röggeliner See errichtet, der von der Biosphärenreservatsverwaltung unterhalten wird. Auch 2 Badestellen gibt es am See, der Mensch ist also nicht ausge-schlossen. Die Wanderwegevorschläge der Gemeinde liegen auf dem Tisch. Um so weit zu kommen haben Ende letzten Jahres mehrere gemeinsame Termine stattgefunden.
Von der Biosphärenreservatsverwaltung wurde bereits im Nov. 2008 für alle Wege Genehmigungsfähigkeit unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange signalisiert oder eine Alternative vorgeschlagen. Das kann bedeuten, dass die Wegeführung teilweise verschoben werden muss, manchmal nur um einige Meter, um eine Beeinträchtigung von gesetzlich geschützten Bereichen auszuschließen. Ich bin optimistisch, dass die Bürger von Dechow soviel Kompromissbereitschaft aufbringen werden.


Frage: Welche Erklärung haben Sie dafür, dass Einwohner der Gemeinde Dechow und umliegender Orten derart frustriert sind, dass sie selbst politische Kanäle bis nach Brüssel öffnen wollen?

Der Frust ist für mich schwer nachvollziehbar, begründet ist er sicher auch in mangelnder oder falscher Information.  Wie oben dargestellt, waren wir hinsichtlich des Wanderwegekonzeptes im Gespräch. Am Adamsweg gab es einen Vor-Ort-Termin im Dezember 2008 mit dem Bürgermeister, dem Wegeausschuss und inte-ressierten Bürgern. Dabei wurden Lösungsmöglichkeiten kontrovers aber konstruktiv diskutiert. Der Adamsweg wurde unmittelbar am südlichen Ufer des Röggeliner Sees gefordert, als Schneise durch ein geschütztes Biotop welches als Puffer zum Röggeliner See dient. Hecken und Weiden müssten dafür gerodet und Schilf beseitigt werden.  Als Alternative wurde durch die Biosphärenreservatsverwaltung eine Wegeführung am Rande des Biotopes vorgeschlagen. Das wäre genauso attraktiv und aus naturschutzfachlicher Sicht unproblematisch gewesen. Statt diese Alternative zu prüfen, wurde der Weg ohne Genehmigung geschaffen und das geschützte Biotop dabei zerstört. Es handelt sich keineswegs, wie  behauptet wird, um eine Wegepflege, denn es war vor dem Eingriff kein Weg vorhanden. Die Zerstörung eines $ 20 Biotopes ist eine Ordnungswidrigkeit, unabhängig davon ob sich das Biotop innerhalb oder außerhalb eines Biosphärenresevates befindet. Das kann man sich in Schwerin oder Brüssel gern bestätigen lassen.

Frage: Den Dechower werden private Einzelinteressen bei der Umsetzung des Wanderweg-Konzeptes unterstellt. Andererseits gründet sich eine Bürgerinitiative, die politisch Druck machen wird. Haben Sie das Konfliktpotential unterschätzt?

Ich weiß nicht wer hier wem was unterstellt und möchte nicht darüber spekulieren was eine Bürgerinitiative machen wird, die sich erst demnächst gründen will. Ich für meinen Teil werde den mit der Gemeinde und dem Bürgermeister vereinbarten Weg zur Kompromissfindung fortsetzen. Dies setzt aber voraus, dass einmal getroffene Vereinbarungen auch eingehalten werden. Insoweit habe ich kein Verständnis dafür, dass aktuell die ehemalige Biotopfläche am Adamsweg vermutlich mit Herbiziden gespritzt worden ist, obwohl wir Anfang März in einem vom Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz geleiteten Termin, einvernehmlich einen Baustopp vereinbart hatten. An diesem Termin hat neben der Gemeinde Dechow und dem Amt Rehna auch der Förderverein Dechow teilgenommen.


Frage: Erfolge in der Entwicklung der Schaalsee-Region sind vorweisbar und auch messbar. Fördergelder für Investitionen sind aber nicht alles.
Was werden Sie tun, damit Bürger wieder stärker das Gefühl haben mit Vorschlä-gen gehört zu werden?

Grundlage dieser Erfolge ist die einmalige Natur in der Schaalseeregion. Vielleicht muss man noch einmal daran erinnern: früher gab es überall in Deutschland Kraniche, Seeadler, Fischotter. Die sind nicht am Tag x plötzlich ver-schwunden, sondern haben durch viele kleine Veränderungen in der Landschaft Stück für Stück, fast unbemerkt, ihren Lebensraum verloren. In der Schweriner Volkszeitung wurde richtig kommentiert, die Biosphärenreservatsverwaltung hat die Natur nicht erschaffen und nicht erfunden, aber es ist unserer Aufgabe sie zu erhalten. Vorschläge sind immer willkommen. So wurde z.B. auf unsere Initiative hin in den vergangenen 2 Jahren mehr als 130 Vorschläge von Bürgern und Institutionen in den LEADER Prozess eingebracht. Regionale Gremien werden über Umsetzbarkeit und Förderfähigkeit entscheiden.  Und noch etwas möchte ich den Gemeinden ans Herz legen, Probleme sollten im Kuratorium für das Biosphärenreservat auch wirklich zur Sprache gebracht werden. In diesem von den Landräten geleiteten Gremium sind neben den Gemeinden alle wesentlichen Interessengruppen der Schaalseeregion vertreten. Nutzen Sie diese demokratische Plattform.

Klaus Jarmatz


Pressekontakt
Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee
Elke Dornblut
Wittenburger Chaussee 13
19246 Zarrentin

Tel.: 038851 / 30229
Fax: 038851 / 30220
E-Mail: e.dornblut.br@schaalsee.de