BIOSPHÄRENRESERVATSAMT SCHAALSEE-ELBE - Naturschutz vorgestellt
ORCHIDEEN Auf einer Pfeifengraswiese bei Klocksdorf am Röggeliner See wachsen mehrere Orchideenarten in großer Zahl, unter anderem das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis, Foto) der Sumpf-Sitter (Epipactis palustris) und das Große Zweiblatt (Listera ovata). Neben den zahlreichen Orchideen blühen auf der Wiese auch weitere botanische Kostbarkeiten und Rote-Liste-Arten wie der Teufelsabbiss (Succisa pratensis) und die Kuckucks-Lichtnelke (Lychnis flos-cuculi). Orchideen gelten als die Schönheiten der Pflanzenwelt. Etwa 30.000 verschiedene Arten gibt es weltweit, die meisten sind in den Tropen beheimatet. Aber auch in Europa wachsen etwa 250 verschiedene Orchideenarten, 38 davon in Mecklenburg- Vorpommern. Allerdings sind Orchideen fast überall selten geworden und gefährdet. Durch die veränderte landwirtschaft- liche Bewirtschaftung haben die schönen Pflanzen auch in der Schaalseeregion einen Großteil ihrer ehemaligen Lebensräume verloren. Auf intensiv genutztem Grünland, das entwässert, gedüngt und häufig gemäht wird, können sie nicht gedeihen. Die Klocksdorfer Wiese entstand im 18. Jahrhundert durch eine Absenkung des Röggeliner Sees zur Gewinnung von Weideland. Sie wurde bis in die 1970er Jahre als extensives Weideland genutzt und dann aufgeforstet, was zur Verdrängung der lichtliebenden Pflanzenarten führte. Um die Fläche als Lebensraum für Orchideen zu retten, haben das Biosphärenreservats- amt und der Zweckverband „Schaalsee- Landschaft“ gemeinsam mit der Gemeinde Carlow, der Eigentümerin der Flächen, den Gehölzbestand beseitigt und eine extensi- ven Mäh- bzw. Weidenutzung mit Schafen aufgenommen. Die wertvollen Niedermoorarten und Or- chideen konnten sich wieder auf der gesam- ten Fläche ausbreiten. Diese Entwicklung wird durch die Schafe wesentlich begüns- PROJEKTBETEILIGTE • Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe (Projektinitiative und Koordination) • Gemeinde Carlow • Landwirte und Flächenpächter • Zweckverband„Schaalsee-Landschaft“ Titelfoto: K. Jarmatz, Biosphärenreservatsamt tigt, da diese die Samen auf der Fläche verteilen und durch ihre Trittsiegel geeignete Keim- standorte schaffen. Positiv auf die Entwicklung des Orchideenbestandes wirkte sich zudem die Stabilisierung des Wasserstandes des Röggeli- ner Sees durch den Bau einer Fischtreppe im Jahr 2012 aus, da von dieser Maßnahme auch die angrenzenden Feuchtwiesen profitierten. Die heute wieder sehr artenreiche Wiese bei Klocksdorf mit dem landesweit bedeutsamen Orchideenbestand ist außerdem wertvoller Lebensraum für zahlreiche Insekten wie Tag- falter, Libellen und Heuschrecken. 64
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