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Projektbeschreibung        

Wiederansiedlung der Schaalseemaräne (Coregonus holsatus)

Die ursprüngliche Schaalseemaräne gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr im Schaalsee, sondern nur noch im Drewitzer See bei Alt Schwerin. Das soll sich wieder ändern.

 

Den Abschlussbericht zur ersten Phase unseres Artenschutzprojektes finden Sie hier voraussichtlich ab Ende August 2018.

 

Sachstandsbericht 2017 (pdf-Dokument, 334 kB)

 

Sachstandsbericht 2016 (PDF Datei 2,8 Mb)

 


Die Schaalseemaräne - Hintergrundinformation

Die Große Maräne ist der prominenteste Fisch unter den 28 Fischarten, die den Schaalsee bevölkern. Sie schmückt sogar das Stadtwappen von Zarrentin. Im Jahr 1915 wurde die Schaalseemaräne  (Coregonus holsatus) durch den Wissenschaftler August Thienemann als eigenständige Maränenunterart beschrieben, die ursprünglich nur im Schaalsee und im Selenter See vorkam. Wegen des sehr begrenzten Verbreitungsgebietes wird sie auch als endemische Art bezeichnet. Da es sich bei der Maräne um einen sehr schmackhaften Speisefisch handelt, waren bereits unsere Vorfahren an einem möglichst reichen Bestand dieses Fisches im Schaalsee interessiert und halfen mit dem Besatz von Jungfischen der Natur etwas nach. Bereits seit ca. 1876 wurden u.a. „Blaufelchen“ aus dem Bodensee, die „Madümaräne“ aus Polen und verschiedene andere Große Maränen in den Schaalsee eingesetzt. So kam es zu einer genetischen Vermischung mit der Schaalseemaräne und letztendlich zu deren Verdrängung aus dem Schaalsee.
Die Große Maräne des Schaalsees wurde aber einst auch für den Besatz anderer Seen genutzt. So wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts in den Drewitzer See bei Alt Schwerin eingesetzt, in dem sie bis heute in einer stabilen Population lebt. Diese Erkenntnis konnte 2014 u.a. durch umfangreiche genetische Untersuchungen verschiedener Maränenpopulationen durch Dr. Lukas Krebes und Dr. Ralf Bastrop von der Universität Rostock gewonnen werden.

Die Große Maräne hat sowohl als traditionelle Fischart besondere wirtschaftliche Relevanz für die regional ansässigen Fischereibetriebe, als auch erhebliche arten-schutzfachliche Bedeutung als endemische Rarität, gefährdete Rote Liste Art und Art des Anhang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Damit Coregonus holsatus wieder ihren Weg in den Schaalsee findet, initiierte das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe bereits 2012 in Zusammenarbeit mit der Universität Rostock das Projekt  „Suche, Charakteristik und Sicherung der Schaalseemaräne“. 

Projektzeitraum und Kosten
Im Juli 2014 startete aus dieser ersten Projektinitiative das Artenschutzprojekt „Zeitlich gemäße fischereiliche Bewirtschaftung einer endemischen Fischart. Wissen-schaftlich begleitete Wiedereinbürgerung der Schaalseemaräne (Coregonus holsatus) im Schaalsee (M-V und SH)“. Die Koordination und Leitung des Projektes liegt bei der Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe als Projektträger. „Mit im Boot“ sind in einer projektbegleitenden Arbeitsgruppe die Fischer vom Schaalsee und vom Drewitzer See sowie die Fischereibehörden der Länder.

Das Projekt ist auf eine Gesamtlaufzeit von 10-12 Jahren ausgerichtet, um das Projektziel, die Etablierung eines stabilen, sich selbst reproduzierenden und nachhaltig befischbaren Bestand der Großen Maräne des Schaalsees zu erreichen. Die erste Projektphase läuft von Juli 2014-Mai 2018 und wird anteilig über die Fischereiabgabe der Länder M-V und S-H finanziert. Die Gesamtsumme beläuft sich auf 153.780.- €.

Projektablauf
Die Wiedereinbürgerung soll ausschließlich mit Großmaränen aus dem Drewitzer See erfolgen. Neben Besatzmaßnahmen ist der Aufbau einer unabhängigen Erbrütung und Vorstreckung zur Sicherstellung der genetischen Homogenität am Schaalsee geplant. Im Umkehrschluß heißt dies, dass jedliche anderen Besatzmaßnahmen von Großmaränen im Schaalsee zu unterlassen sind, und der nicht endemische Großmaränenbestand im See durch scharfe Befischung verdrängt wird. Die im Rahmen des Projektes in den Schaalsee eingesetzten Großmaränen sollen bis zur nachgewiesenen Etablierung durch eigene Reproduktion in den ersten 3 Jahren geschont werden.

Zur Qualitätssicherung und Effizienzkontrolle der Wiedereinbürgerungsmaßnahmen sowie zur Optimierung des Fischereimanagements erfolgt eine umfangreiche wissenschaftliche Begleitung des Projektes im Rahmen eines mehrjährigen genetischen, fischereibiologischen und limnoökologischen Monitorings. Die genetischen Untersuchungen werden von der Universität Rostock vorgenommen, während mit den sonstigen Untersuchungen sowie der wissenschaftlichen Projektkoordination die Gesellschaft für Naturschutz und Freilandökologie (GNL e.V.) aus Kratzeburg beauftragt wurde.
Die Fangaktionen zur Analyse der Reproduktion der Maräne und des Nahrungsangebotes sowie Benthosbeprobungen zur Untersuchung der Makrozoobenthosfauna des Gewässerbodens wurden planmäßig im November 2015 und März/April 2016 entsprechend des vorliegenden Monitoringkonzeptes durchgeführt.
 
Die praktische Umsetzung zum Aufbau der Erbrütung und Vorstreckung der Schaalseemaräne startete im Winter 2014. Von dem Fischer des Drewitzer Sees, Hans-Werner Thomas, wurde von den dort lebenden Maränen Laich gewonnen und erbrütet. Die geschlüpften Fischlarven durften drei Monate lang bis auf eine Größe von 4 cm heranwachsen und wurden im Juni 2015 im Schaalsee ausgesetzt. Rund 14.000 Exemplare dieser ursprünglichen Schaalseemaräne kamen mit Unterstützung der drei ansässigen Fischereibetriebe ins Wasser.
In Winter 2015 wurde wieder befruchtes Laichmaterial der Großen Maräne aus dem Drewitzer See gewonnen. Diesmal wurde ca. 50.000 Eier auf dem Fischereihof von Herrn Bothstede in Grambek erbrütet, der eine entsprechende Anlage mit zwei großen Zugergläsern in seinem Fischereihaus aufgebaut hat. Mitte März sind dann rd. 40.000 Larven geschlüpft, die dann zur Vorstreckung in ein Netzgehege im Schaalsee/Seeteil Borgsee an der Steganlage am Brückenhaus bei Stintenburg/Lassahn gebracht wurden. Mit Hilfe einer Lichtquelle in den Netzgehegen wurde das natürlich im See zur Verfügung stehende Plankton für die Ernährung der Maränen angelockt.

Die Vorstreckung verlief lange Zeit unproblematisch. Leider kam es jedoch Ende April zu einem plötzlichen Massensterben, das vermutlich auf den Zusammenbruch des Zooplanktons aufgrund der kalten Witterungsverhältnisse zurückgeführt werden muss. Im Mai konnten letztendlich nur rd. 1.500 vorgestreckte Schaalseemaränen durch Herrn Bothstede in den Schaalsee ausgesetzt werden. Parallel zur Vorstreckung im Schaalsee sind zur Erprobung einer alternativen Vorstreckung und Fischhaltung ca. 500 Maränen in Hälterbecken im Fischhaus in Grambek verblieben, weitere 1.000 Maränen wurden in zwei Teiche der Fischerei zur weiteren Aufzucht eingesetzt.
Nach der sehr erfolgreich verlaufenden Erbrütung und anfänglich gut laufenden Vorstreckung ist der hohe Verlust an Maränen ein bedauerlicher Rückschlag in dieser ersten Erprobungsphase des Projektes.
Jetzt heißt es aus den bisherigen Erfahrungen zu lernen und den weiteren Projektablauf zu optimieren, um die für Ende 2016 bis Anfang 2017 erneut vorgesehene Erbrütung und Vorstreckung der Schaalseemaräne zu meistern. Geplant ist zudem den Aufbau einer Laichfischhaltung, um ausreichend Nachwuchs für einen sich langfristig selber reproduzierenden Bestand der Großen Maräne zu gewinnen.

Das Projekt ist mit dem Projekt zur Zertifizierung der Binnenfischerei auf dem Schaalsee verknüpft. Zudem erfolgt eine enge Kooperation mit den ortansässigen Fischern, dem Landessportfischerverband SH sowie den Seeeigentümern. Um das Erreichen der Projektziele abzusichern, wurde im Winter 2015 eine freiwillige Vereinbarung zum Fischereimanagement auf dem Schaalsee mit diesen Projektbeteiligten und der Biosphärenreservatsverwaltung geschlossen. Mit ihrer Zustimmung dokumentieren diese ihre Bereitschaft für die freiwillige Einhaltung von Bewirtschaftungsgrundsätzen, ihre Mitwirkung an dem projektbegleitenden Monitoring sowie ihre Kooperationsbereitschaft für eine offene und partnerschaftliche Zusammenarbeit im Rahmen des Projektes.  

Schaalseelandschaft