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Projektbeschreibung        

Wiederansiedlung der Schaalseemaräne (Coregonus holsatus)

Die ursprüngliche Schaalseemaräne gibt es schon seit vielen Jahren nicht mehr im Schaalsee, sondern nur noch im Drewitzer See bei Alt Schwerin. Das soll sich wieder ändern.

 

Den Abschlussbericht zur ersten Phase unseres Artenschutzprojektes finden Sie hier (pdf-Dokument, 13 MB). 

 


Die Schaalseemaräne - Hintergrundinformation

 

Die Große Maräne ist der prominenteste Fisch unter den 28 Fischarten, die den Schaalsee bevölkern. Sie schmückt sogar das Stadtwappen von Zarrentin. Im Jahr 1915 wurde die Schaalseemaräne (Coregonus holsatus) durch den Wissenschaftler August Thienemann als eigenständige Maränenunterart beschrieben, die ursprünglich nur im Schaalsee und im Selenter See vorkam. Wegen des sehr begrenzten Verbreitungsgebietes wird sie auch als en-demische Art bezeichnet. Da es sich bei der Maräne um einen sehr schmackhaften Speisefisch handelt, waren bereits unsere Vorfahren an einem möglichst reichen Bestand dieses Fisches im Schaalsee interessiert und halfen mit dem Besatz von Jungfischen der Natur etwas nach. Bereits seit ca. 1876 wurden u.a. „Blaufelchen“ aus dem Bodensee, die „Madümaräne“ aus Polen und verschiedene andere Große Maränen in den Schaalsee ein-gesetzt. So kam es zu einer genetischen Vermischung mit der Schaalseemaräne und letztendlich zu deren Verdrängung aus dem Schaalsee.

 

Die Große Maräne des Schaalsees wurde aber einst auch für den Besatz anderer Seen genutzt. So wurde sie Anfang des 20. Jahrhunderts in den Drewitzer See bei Alt Schwerin eingesetzt, in dem sie bis heute in einer stabilen Population lebt. Diese Erkenntnis konnte 2014 u.a. durch umfangreiche genetische Untersuchungen verschiedener Maränenpopulationen durch Dr. Lukas Krebes und Dr. Ralf Bastrop von der Universität Rostock gewonnen werden.

 

Die Große Maräne hat sowohl als traditionelle Fischart besondere wirtschaftliche Relevanz für die regional ansässigen Fischereibetriebe, als auch erhebliche artenschutzfachliche Bedeutung als endemische Rarität, gefährdete Rote Liste Deutschland Art und Art des An-hang V der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. Vor dem Hintergrund, dass die endemische Art aktuell nur noch eine einzige Population im Drewitzer See aufweist und angesichts möglicher Risiken gänzlich aussterben könnte, wurde sie in der aktuellen Roten Liste des Landes Mecklenburg-Vorpommerns (Waterstraat et al. 2015) in die Gefährdungskategorie 1 („vom Aussterben bedroht“) eingestuft. Daraus ergibt sich eine besonders hohe Erhaltungsverantwortung der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein für die Sicherung und den Erhalt einer überlebensfähigen Population der Fischart in ihrer genetischen Vielfalt sowie der nachhaltigen Nutzung dieser genetischen Ressource.

Damit Coregonus holsatus wieder ihren Weg in den Schaalsee findet, initiierte das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe bereits 2012 in Zusammenarbeit mit der Universität Rostock das Projekt „Suche, Charakteristik und Sicherung der Schaalseemaräne“. 
Im Juli 2014 startete aus dieser ersten Projektinitiative heraus das Artenschutzprojekt „Zeitlich gemäße fischereiliche Bewirtschaftung einer endemischen Fischart. Wissenschaftlich begleitete Wiedereinbürgerung der Schaalseemaräne (Coregonus holsatus) im Schaalsee (M-V und S-H)“.

 

Das Projekt ist auf eine Gesamtlaufzeit von 10-12 Jahren ausgerichtet, um das Ziel, die Etablierung eines stabilen, sich selbst reproduzierenden und nachhaltig befischbaren Bestandes der Großen Maräne des Schaalsees, zu erreichen. Die erste Projektphase (2014-2018), die anteilig über die Fischereiabgabe der Länder M-V und S-H finanziert wurde, endete am 31.7.2018.
Die Koordination und Leitung der 1. Projektphase lag beim Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe als Projektträger.


 
Die Hauptinhalte des Projektes bestanden in der Entwicklung und Umsetzung der Produktion von Besatzmaterial, ersten Besatzmaßnahmen sowie der Erprobung der Hälterung von zukünftigen Elterntieren zum Aufbau einer Laichfischhaltung.
Zur Qualitätssicherung und Effizienzkontrolle der Wiedereinbürgerungsmaßnahmen sowie zur Optimierung des Fischereimanagements erfolgte eine umfangreiche wissenschaftliche Begleitung des Projektes im Rahmen eines mehrjährigen genetischen, fischereibiologischen und limnoökologischen Monitorings. Die genetischen Untersuchungen wurden von der Universität Rostock vorgenommen, während mit den sonstigen Untersuchungen sowie der wissenschaftlichen Pro-jektkoordination die Gesellschaft für Naturschutz und Freilandökologie (GNL e.V.) aus Kratzeburg beauftragt worden ist. 

 

Das Artenschutzprojekt zur Wiedereinbürgerung der Schaalseemaräne startete als Experiment zur Klärung der Machbarkeit dieses Vorhabens. Die bisherigen Ergebnisse beim Aufbau einer Erbrütung und Vorstreckung sowie des fischereibiologischen und genetischen Monitorings und die sich abzeichnende ökologische Verbesserung des Schaalsees stimmen optimistisch, dass die Wiederansiedlung der Schaalseemaräne innerhalb von 10-12 Jahren machbar ist.

Die wesentlichen Projektergebnisse sind nachfolgend kurz zusammengefasst: 

 

  • Seit Dezember 2015 konnte ein eigenständiger und zukunftsfähiger Erbrütungs- und Vorstreckungsstandort am Schaalsee aufgebaut werden, der räumlich separiert von andern Großmaränenarten ist, sodass eine genetische Vermischung der Großmaränen ausgeschlossen werden kann.

 

  • Es erfolgte ein Besatz mit rd. 65.500 Großen Maränen mit genetisch einwandfreiem Material aus dem Drewitzer See. 

 

  • Der Aufbau eines separaten Laichfischbestandes ist für die Produktion ausreichender Besatzmengen unabdingbar.

 

  • Erfolgreiche Erprobung einer Laichfischhaltung in Aquakultur, Bestand von rd. 500 Schaalseemaränen in 3 Generationen (Laichreife der 1. Generation voraussichtlich Dez. 2018)

 

  • Die durchgeführten, quantitativen Untersuchungen und Analysen zum Fischbestand, Nahrungsangebot und Habitatstrukturen liefern wichtige Erkenntnisse zum aktuellen Zustand und bestehenden Problemen und dienen als Referenzwerte für die Erfolgs-kontrolle der weiteren Maßnahmen sowie zur Optimierung des zukünftigen Fischereimanagements.

 

  • Die aktuelle Maränenpopulation mit niedrigem Bestandsniveau bietet gute Ausgangsbedingungen für die vollständige Verdrängung der allochtonen Großmaränen durch Besatzmaßnahmen.

 

  • Nachweis der Fortpflanzung / Reproduktion der Großen Maräne im Schaalsee unter aktuellen Bedingungen, sodass die langfristige Bestandserhaltung prinzipiell gewährleistet ist.

 

  • Es gibt erste Anzeichen für eine tendenzielle Verschiebung zur Population der autochtonen Großen Maräne (Erfolg der Besatzmaßnahmen bzw. Rückgang der allochtonen Maränen).

 

  • Die durchgeführten Nahrungsuntersuchungen zeigen, dass ein ausreichend gutes Nahrungsangebot besteht. Nur im Winterhalbjahr sind temporäre Engpässe bei jungen Maränen nicht auszuschließen.

 

  • Die im Zuge der Untersuchungen erhobenen Sauerstoffprofile des Schaalsees dokumentieren nach wie vor existierende Eutrophierungsprobleme des Schaalsees. Die Seeuntersuchungen im Rahmen der WRRL zeigen, dass sich die Wasserqualität des Sees zunehmend verbessert und auf dem Weg zum potentiell natürlichen Zustand ist (aktuell mesotroph II und nicht mehr eutroph!). Anzustreben sind mesotrophe bis oligotrophe Verhältnisse.

 

  • Unter der Annahme, dass sich der Maränenbestand aufgrund von verschlecherten Reproduktionsbedingungen insbesondere durch Sauerstoffzehrung im Sediment verschlechtert hat, wird prognostiziert, dass der Bestand der wiedereingebürgerten Schaalseemaräne ohne vorlaufenden Besatz nur zunehmende fischereilich nutzbare Erträge erreicht, wenn sich der trophische Zustand des Sees weiter verbessert. Hier sind weiterer Bemühungen erforderlich, aber auch der Gewährung von Entwicklungszeit, bis die zahlreichen getroffenen und noch geplanten Maßnahmen zur Reduzierung der Phosphat-Einträge greifen.

 

  • Das Projekt kann unter neuer Trägerschaft (LFA M-V) und fortlaufender anteiliger Finanzierung über die Fischereiabgabe der beiden Länder weitergeführt werden. Es wird als Teilprojekt in das bereits im letzten Jahr gestartete Forschungsvorhaben der LFA mit der jetzt erweiterten Vorhabensbezeichnung „Evaluierung der Bestände von Großen Maränen (Coregonus spec.) in ausgewählten Seen Mecklenburg-Vorpommerns zur Erarbeitung von Bestandsaufstockungs- und Bewirtschaftungsvor-schlägen sowie Wiederherstellung des Bestandes der endemischen Großen Maräne (Coregonus holsatus) im Schaalsee“ integriert.

 

Schaalseelandschaft