Insekten

Die Klasse der Insekten (Insecta) ist so vielfältig, dass unklar ist, wie viele Insektenarten es auf der Erde gibt. Die Insektenarten in Deutschland belaufen sich auf etwa 33.000.
Der Körper der Insekten lässt sich immer in drei Teile gliedern: Kopf (Caput), Brust (Thorax) und Hinterleib (Abdomen). Zudem haben alle Insekten sechs Beine.
Insekten kommen mit Ausnahme der offenen Meere und den Polargebieten in allen Biotopen vor und sind wie Fische, Amphibien und Reptilien wechselwarm, was heißt, dass sich ihre Körpertemperatur der Umgebungstemperatur anpasst.

Libellen

Durch ihre Größe, die bunte Färbung und die auffällige Flugweise, fallen Libellen wohl jedem aufmerksamen Beobachter in der gewässerreichen Landschaft des Biosphärenreservates auf. Libellen sind eng an Biotope gebunden, in denen ihre Reproduktion möglich ist. Der Typ des zur Fortpflanzung bevorzugten Gewässers ist artspezifisch. Neben Fließgewässerarten sind Arten der Stillgewässer sowie Arten, die auf temporäre Gewässer angewiesen sind, anzutreffen. Die flugaktiveren Großlibellen (Anisopteren) sind im Gegensatz zu den Kleinlibellen (Zygopteren) aber in der Lage größere Distanzen zurück zu legen und können so auch weitab von Gewässern angetroffen werden.

Eine Herbst-Mosaikjungfer auf einem Blatt. © E. Schade
Die Herbst-Mosaikjungfer ist im Biosphärenreservat Schaalsee recht häufig antreffen.

Etwa 80 Libellenarten wurden bisher in Deutschland nachgewiesen. In der Schaalsee-Landschaft gelangen bisher Nachweise von insgesamt 50 Libellenarten. Davon sind 36 Arten nach den Roten Listen von Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder von Deutschland zumindest als „gefährdet“ eingestuft.


Von besonderer und überregionaler Bedeutung sind Moorgebiete, in denen stark spezialisierte und zum Teil hochgradig gefährdete Arten vorkommen.
Dazu gehören z. B. Östliche Moosjungfer (Leucorrhinia albifrons), Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia), Große Moosjungfer (Leucorrhinia pectoralis), Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica), Torf-Mosaikjungfer (Aeshna juncea) und Gefleckte Smaragdlibelle (Somatochlora flavomaculata).


An den Fließgewässern Schaale, Schilde und Hammerbach kommen z.B. die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo) und die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendens) vor.

Heuschrecken

Ein Grashüpfer auf einem Ast. © M. Hippke
Grashüpfer gehören zur Familie der Feldheuschrecken.

Nur wenige Arten wie z. B. der Weißrandige Grashüpfer (Corthippus albomarginatus), der Gemeine Grashüpfer (Corthippus parallelus) und Roesels Beißschrecke (Metrioptera roeseli) sind in nahezu allen Offenlebensräumen im Biosphärenreservat zu finden.


Von den feuchtliebenden Arten sind die Kurzflügelige Schwertschrecke (Conocephalus dorsalis), die Säbeldornschrecke (Tetrix subulata) sowie die Sumpfschrecke (Mecosthetus grossus) hervorzuheben.

Eine Beißschrecke auf einem Grashalm. © W. Spillner
Beißschrecken sind eine Unterfamilie der Laubheuschrecken.

Für Trockenlebensräume, wie Trockenrasen, Ruderalfluren, Kiesgruben, Sandentnahmestellen, sonnenexponierte Waldränder, sind die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens), die Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), der Warzenbeißer (Decticus verrucivorus), der Heidegrashüpfer (Stenobothrus lineatus), der Verkannte Grashüpfer (Corthippus mollis) und die Gefleckte Keulenschrecke (Myrmeleotettix maculatus) erwähnenswert.


Die in Norddeutschland nahezu überall ausgestorbene Feldgrille (Gryllus campestris) wurde letztmalig zu Beginn der 1990iger Jahre nachgewiesen.

Nachtfalter

Ein Ampfer- Purpurspanner auf einem Grashalm. © W. Spillner
Der Ampfer- Purpurspanner ist ein Nachtfalter aus der Familie der Spanner.

Nachtfalter besiedeln eine große Anzahl unterschiedlicher Lebensräume. Die Spanne der Raupennahrungspflanzen ist sehr groß. Dazu zählen u.a. auch Binsen, Seggen, Rohrglanzgras, Schilf und Rohrkolben, die für Tagfalter nur wenig attraktiv sind. Im Rahmen spezieller Untersuchungen wurden bisher etwa 475 Nachfalterarten im Biosphärenreservat nachgewiesen. Die Bestimmung der einzelnen Arten, für die es meist keine deutschen Namen gibt, ist nur dem Spezialisten möglich.


Überregional besonders bemerkenswert sind die Nachweise einiger stark gefährdeter Moorarten wie Arichanna melanaria, deren Raupen an der Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) leben oder von Amphipoea lucens und Celaeana haworthii, deren Raupen Wollgräser bevorzugen.
In trockeneren Habitaten wurden unter anderem mehrere bemerkenswerte, an Ginster lebende Arten gefunden (Chesisias rufata, Pseudopterna pruinata und Scotopter mucroptera).


Auch die Feuchtgrünlandbereiche und Röhrichte zeichnen sich durch eine Vielzahl charakteristischer, stenöker und bundesweit stark gefährdeter Arten aus. Hervorzuheben sind hier Phragmataecia castaneae, Senta flammea und Archanara dissoluta.

Tagfalter

Ein Dickkopffalter auf einem Pflanzenblatt. © K. Titho
Die Familie der Dickkopffalter ist mit 4.000 Arten und über 560 Gattungen sehr vielfältig.

Aufgrund ihrer engen Abhängigkeit von den verschiedenen Lebensraumqualitäten reagieren Tagfalter empfindlich auf Habitatveränderungen und sind gute Indikatoren zur ökologischen Bewertung von Landschaften. Die für die Tagfalterfauna wichtigsten Lebensraumtypen im Schaalseegebiet sind Trockenrasenhabitate, Moorgebiete, einige Feuchtwiesen sowie lichte offene Waldgebiete mit gut entwickelten Rändern und Säumen.


Insgesamt wurden bisher 46 Tagfalter- sowie drei Zygaeniden-Arten (Widderchen) im Biosphärenreservat nachgewiesen. Darunter befinden sich 19 Arten, die in den Roten Listen von Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein als „gefährdet“ gelten und zehn Arten, die in die Rote Liste der Bundesrepublik aufgenommen wurden. Unter den Tagfaltern der Feuchtgebiete und Moore ist besonders das Auftreten der stark gefährdeten Arten Schwarzfleckiger Dickkopffalter (Carterocephalus silvicolus), Komma-Dickkopffalter (Hesperia comma) und Großes Wiesenvögelchen (Coenonympha tullia) bemerkenswert.


An trockenere Standorte sind Scheckenfalter (Melitea cinxia), Dukaten-Feuerfalter (Lycaena virgaureae) und Ockerbindiger Samtfalter (Hipparchia semele) gebunden. Sie benötigen weitgehend offene, sonnenexponierte Standorte mit standorttypischen Raupenfutterpflanzen und einem umfangreichen Angebot an blütenreicher Vegetation.
Vom Kaisermantel (Argynnis paphia), Großem Schillerfalter (Apatura iris) und Kleinem Eisvogel (Limenitis camilla) sind bisher nur wenige Nachweise im Biosphärenreservat bekannt.

Xylobionte Käfer

Ein gewisser Teil der Käfer hat sich im Laufe ihrer Evolution auf die Verwertung und Nutzung des Rohstoffs Holz spezialisiert. Dies sind die xylobionten Käfer. Der größte Teil der xylobionten Käfer ist somit an das Vorhandensein bestimmter Baumarten und an Holz in den verschiedensten Zerfallsstadien gebunden. So sind viele Arten auf die Präsenz spezieller Strukturen, auf besondere mikroklimatische Verhältnisse, auf einen bestimmten Zersetzungsgrad oder auf bestimmte Tierbauten im Holz angewiesen. Zahlreiche Käferarten sind auch an spezielle Pilze, ihre Mycelien oder Fruchtkörper gebunden.

Nahaufnahme des großen und schwarz gefärbten Heldbocks auf einer Baumrinde im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Mecklenburg-Vorpommern. © M. Hippke
Der Große Eichenbock ist ein in Deutschland vom Aussterben bedrohter Käfer aus der Familie der Bockkäfer.

Durch die oft sehr starke Spezialisierung hat das Vorkommen bestimmter Arten ein einem Waldgebiet eine große Aussagekraft. Diese Käfer sind Zeigerarten für die Qualität des Waldes, für die Vielseitigkeit des Angebotes an Holzsubstraten und somit für den Grad der Naturbelassenheit des Waldes. Xylobionte Käfer eignen sich deshalb hervorragend zur Bewertung von Waldlebensräumen. Die bisher erfasste Xylobionten-Fauna beherbergt zahlreiche laubwaldtypische Arten. Die mit Abstand wichtigsten Baumarten sind Buchen und Eichen. Allein an Buchen finden sich 44 gefährdete Arten. Bisher wurden im Biosphärenreservat rund 520 xylobionte Käferarten nachgewiesen. Besonders artenreich vertreten sind dabei die Kurzflügler (Staphylinidae), Borkenkäfer (Scolytidae), Glanzkäfer (Nitidulidae), Schwammkäfer (Cisidae), Schimmelkäfer (Cryptophagidae), Moderkäfer (Lathridiidae) und die Bockkäfer (Cerambycidae).

Laufkäfer

Bisher wurden 135 Laufkäferarten im Biosphärereservat gefunden, was etwa 43 % der in Mecklenburg-Vorpommern vorkommenden Arten entspricht. 16 Arten sind in der Roten Liste Mecklenburg-Vorpommerns verzeichnet. Durchgeführte Untersuchungen zeigen, dass insbesondere die Laufkäferfauna der Feuchtlebensräume im Schaalseegebiet mit hohen Artenzahlen vertreten.
 


Als sehr stenotope und zugleich stark bedrohte Arten von Moorgebieten sind Agonum ericeti und Bembidion humerale zu nennen. Beispiele für überwiegend hygrophile Arten, die Präferenzen für Sümpfe, Moorböden, für Birken-, Erlen-oder Weidenwälder, feuchte lehmige Böden oder schlammige Habitate in Laubwälder zeigen, sind Blethisa multipunctata, Epaphius rivularis, Badister dorsiger, Badister collaris und Stenolophus mixtus.
 


Unter den bemerkenswerten Arten trockener und warmer Standort (sonnenexponiertes Grasland, Halbtrockenrasen, sandige oder kiesige Uferbereiche und Sandgruben) sind Ophonus signaticornis, Dyschirius angustatus, Carabus convexus und Panagaeus bipustulus hervorzuheben.